Bremens Innensenator wettert gegen Glückspielstaatsvertrag

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Der Bremer Innensenator Mäurer ist einer von vielen Kritikern, denen die einschneidenden und bevormundenden Maßnahmen noch zu wenig sind. Es werden alle Spieler unter Kollektivverdacht gestellt, Glücksspielsüchtig zu sein - Danke dafür.

fernseher mit casino werbung illustrationEs gibt auch moralische Grenzen. Aber die spielen offenbar in diesem System, in dem es nur um Raffgier geht, keine Rolle. Und das geht mir gewaltig auf den Keks“. So antwortete Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) im Sommer letzten Jahres auf die Frage, wieso es Grenzen für Werbungen geben sollte, die mit Glücksspiel und im besonderen Maße mit Sportwetten zu tun haben.

Bereits vor einem Jahr äußerte der immer noch bestehende SPD-Innensenator Kritik an dem damals neuen Glücksspielstaatsvertrag, der weiterhin Werbungen für Sportwetten für legal erklärt. In diesem Artikel haben wir uns bereits mit den Folgen des GlüStV beschäftigt. Mäurer sieht die Schuld nicht nur in der Politik, sondern ebenso bei den Medien, die ordentlich Werbung mit Sportwetten schalten und damit wahnsinnig viel Geld verdienen. Dazu zählen laut eigenen Aussagen insbesondere „Bild“, als auch die "ARD". Und selbst die Sportschau wirbt hin und wieder für Sportwetten und Wettanbieter, die viele Menschen in den Bann des Glücksspiels locken und damit auch in die Falle der Spielsucht.

Suchtgefährdete Personen seien zu schützen. Man legalisiert das Glücksspiel, zeitgleich schränkt man es ein. Laut Ulrich Mäurer sei es unverantwortlich, dass Medien das Werben von Sportwetten unterstützen und damit die Spielsucht von Menschen fördern. Gerade junge Leute gehören zur Hauptzielgruppe und sind besonders gefährdet, so Bremens Innensenator.

Des weiteren kritisierte er auch den deutschen Profifußball, der nichts anderes sein sollte als ein Vorbild für die Jugend. Aber nein, zahlreiche Wettanbieter gehören fest zu den Sponsoren vieler Fußballclubs wie Borussia Dortmund, Union Berlin, der 1. FC Köln oder auch Dynamo Dresden. Im Mittelpunkt aller Clubs steht natürlich der FC Bayern München mit seiner Partnerschaft zu Tipico und dem Werbegesicht Oliver Kahn. So sagte er im damaligen Interview, dass der Profifußball „zum Haupttreiber“ des Werbens von Sportwetten geworden ist. Unberücksichtigt bleiben die Gefahren und Risiken mit dem immer mehr zunehmenden lukrativen Glücksspiel.

Die Kritik reißt nicht ab

Erneute Kritik und Forderung nach Überarbeitung des Glückspielstaatsvertrages Im Juni 2022 äußerte sich Mäurer erneut kritisch über Werbungen für Sportwetten. Es könne nicht sein, dass der Umgang mit Wettanbietern und Medien in Bezug auf Sportwettenwerbung so lasch erfolge. So sagte er im erst kürzlichen Interview mit Sport Bild, dass er ein „Problem mit dem Glückspielstaatsvertrag“ habe. Weiter sagte er: „Es gibt im Staatsvertrag zwar ein paar kleine Verbesserungen im Bereich des Spielerschutzes, aber es wäre hilfreich gewesen, den Wettanbietern klare Grenzen aufzuzeigen“. Grenzen setzen, das soll in den Augen des Bremer Innensenators über das Verbot von Werbungen für Sportwetten erfolgen.

Während aktiv gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch vorgegangen wird, bleibt die Glücksspielsucht unangetastet und wird durch den Glückspielstaatsvertrag und der damit einhergehenden Legalisierung geradezu gesellschaftlich zunehmend akzeptiert. Zudem will Ulrich Mäurer laut eigenen Angaben das Einzahlungslimit von Wettanbietern stärker kontrollieren lassen. Denn von über derzeit 30 lizenzierten Anbietern halten sich nur wenige an das vorgegebene monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro. Hinzu kommt, dass er es für unverständlich halte, dass alle lizenzierten Wettanbieter gegen das festgesetzte Einzahlungslimit klagen.

Insgesamt sprechen sich die deutschen Marktführer gegen allgemeine Limits aus. Prominente Kläger sind unter anderem Tipico und bwin. Die Begründung eines Sprechers: „Ein solches Limit greift erheblich in die individuellen Freiheitsrechte der Wettenden und Wettanbieter ein, ohne dass es den Schutz von Spielsüchtigen nachweislich zu erhöhen vermag. Das pauschale Limit treibt Spielende in den nicht regulierten Schwarzmarkt“. Ob und inwiefern sich Mäurer gegen die Grundeinstellung der Wettanbieter stemmen will, bleibt allerdings abzuwarten.

Unsere Meinung zu Ulrich Mäurer's Wahrnehmung

Aus unserer Sicht würde es der Innensenator wohl bevorzugen, nicht nur die Sportwettenwerbungen, sondern am besten gleich alles inklusive des riesigen Angebots an Online Casinos zu verbieten. Die neue Glücksspielregulierung schränkt Spieler und Anbieter ein, legalisiert aber letztlich das Glücksspiel und ermöglicht es Wettanbietern und Co. weiterhin ihre Glücksspielangebote anzubieten. Sicherlich wäre es empfehlenswert, den Daten- und Spielerschutz deutlich zu verbessern, Suchtprävention zu fördern und Problemspieler zu unterstützen.

Ein vollständiges Verbot würde definitiv den Weg zum Schwarzmarkt fördern. Auf eine "die dürfen das nicht, also darfst du das auch nicht" Art und Weise ist die Kritik Ulrich Mäurers nachvollziehbar, da andere Branchen, wie zum Beispiel die Zigarettenindustrie, ebenfalls von Werbeverboten betroffen sind. Dennoch sollten allgemeine Verbote generell überdacht und der Spielerschutz pragmatisch angegangen werden. Zudem hinkt so ein Vergleich, da es keine wissenschaftlichen Grundlagen gibt, dass alle Glücksspieler abhängig seien, wohingegen die Schädlichkeit von Zigaretten nicht von der Hand zu weisen ist. Des Weiteren ist es für Minderjährige erheblich schwerer in seriösen Online Casinos ohne Limit zu spielen, als an Kippen zu kommen.

Quellenangaben:

https://www.nord24.de/bremerhaven/sportwetten-bremens-innensenator-will-anbietern-grenzen-aufzeigen-79780.html

https://www.kreiszeitung.de/lokales/bremen/innensenator-maeurer-will-verbot-von-werbung-fuer-sportwetten-90861175.html

https://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Freizeit-Kahn-DFB-EM-Wettanbieter-mischen-beim-Sponsoring-kraeftig-mit-30305127.html